Kennt die IKK den Unterschied nicht zwischen einem Hilfsmittel, und einem zweckmäßigen Hilfsmittel?

Ich brauche mal wieder einen neuen Elektrorollstuhl. Und das bedeutet üblicherweise, dass ich wieder Probleme mit meiner Krankenkasse bekomme. Ich bin ja Ärger bereits gewohnt. Ohne Klagen geht bei meiner Krankenkasse fast gar nichts. Zur Erinnerung als ich meinen ersten Elektrorollstuhl verordnet bekommen hatte, dauerte es über vier Jahre, bis die IKK den verordneten und zweckmäßigen Elektrorollstuhl geliefert hatte.

Verordnet wurde mir ein Elektrorollstuhl mit elektrischer Sitzhöhenverstellung, elektrischer Rückenlehnenverstellung und einer elektrischen negativen Sitz Kantelung. Das wäre also damals der zweckmäßige Elektrorollstuhl gewesen. Nicht ganz billig so ein Teil, damals kostete dieser Elektrorollstuhl ca. 18.000 €. Die Krankenkasse glaubte aber sie könne mich mit einem Standardrollstuhl für ca. 800 € abspeisen. Die wollten also eine muskelstarker einen manuellen Rollstuhl aufs Auge drücken, wobei ja schon der gesunde Menschenverstand klarmachen sollte, dass ein muskelkranker mit einem manuellen Rollstuhl nicht klarkommen kann. So etwas würde vielleicht noch gerade in der Wohnung funktionieren, aber sicherlich nicht für Bewegungen im Freien. Ich frage mich, wie ein Muskelkranker mit so einem Rollstuhl wohl in den Bus, die Straßenbahn oder den Zug kommen sollte.

Der zweckmäßige Rollstuhl konnte also dieses Hilfsmittel für einen Muskelkranken nicht sein. Und so kam es, dass ich bis zum Landessozialgericht klagen musste, und die Krankenkasse den Elektrorollstuhl dann doch noch bezahlen musste.

Elektrorollstuhl mit einer elektrischen Sitzhöhenverstellung gab es damals noch nicht so lange. Leider war dieser Elektrorollstuhl sehr häufig kaputt. Nach ca. drei bis dreieinhalb Jahren wurde dann behauptet, dass es für den Elektrorollstuhl angeblich keine Ersatzteile mehr gebe, obwohl dieser Rollstuhl damals noch weiterhin verkauft wurde. Ich habe dann einen neuen Elektrorollstuhl beantragt. Natürlich hatte auch der zweite Elektrorollstuhl wieder eine elektrische Sitzhöhenverstellung, sowie eine negative Sitz Kantelung. Auch die elektrische Rückenlehnenverstellung war wieder verbaut. Manche behaupten, dass auch dieser Elektrorollstuhl wieder sehr häufig kaputt war, allerdings fand ich nicht, dass dieser Rollstuhl sehr häufig nicht funktionierte. Es gab jedoch bei diesem Rollstuhl zwei Schwachstellen. Das Bedienteil war häufiger kaputt, und auch der Sitz musste öfters erneuert werden.

Im Sommer 2020 hatte das Sanitätshaus den Rollstuhl zur Reparatur abgeholt, und dann nach Duderstadt, zu Otto Bock, weitergeschickt, weil mal wieder der Sitz kaputt war. Otto Bock hatte sich Gedanken gemacht, warum der Sitz so häufig kaputt war. Als Grund wurde die eingebaute negative Sitz Kantelung ausgemacht. Otto Bock ging deshalb hin, und hat den Sitz mit der negativen Sitzkantelung einfach durch einen Standardsitz ersetzt. Zugegeben, seitdem funktioniert zwar der Sitz, aber man hat damit den Elektrorollstuhl für mich unbrauchbar gemacht, denn jetzt war der Elektrorollstuhl kein zweckmäßiges Hilfsmittel mehr, denn immerhin hatten ja Gutachter bereits zweimal festgestellt, dass ich einen Elektrorollstuhl mit negativer Sitz Kantelung benötige.

Ich habe mir dann einen neuen Elektrorollstuhl angesehen. Das war aber noch vor meinem Unfall, also vor meinem Oberschenkelhalsbruch. Als ich dann mit dem Oberschenkelhalsbruch im Krankenhaus lag wurde klar, dass ich einen anderen Elektrorollstuhl brauchen würde.

Nach dem Krankenhausaufenthalt war ich fünf Wochen in der Reha. Dort wurde ich dann auch noch mit Corona verseucht, was zu einem weiteren Krankenhausaufenthalt führte. Ich war also von Anfang Oktober 2020, bis Ende Dezember 2020 die meiste Zeit im Krankenhaus. Doch auch 2021 lediglich noch an den Folgen von Corona, und natürlich auch an den Folgen des Oberschenkelhalsbruches.

Irgendwann im Frühjahr 2021 hat mir der Arzt dann offiziell einen neuen Elektrorollstuhl verordnet. Dies war nötig, weil der vorhandene Elektrorollstuhl nicht mehr der zweckmäßige Rollstuhl war, und weil sich mein Gesundheitszustand durch den Oberschenkelhalsbruch, und die Corona-Erkrankung weiter verschlechtert hatte. Natürlich hatte die IKK mal wieder den neuen Elektrorollstuhl abgelehnt, obwohl ich der Krankenkasse ausdrücklich mehrfach mitgeteilt hatte, dass der damals noch vorhandene Elektrorollstuhl nicht mehr der zweckmäßige Rollstuhl ist, und somit unabhängig von meinem jetzigen Gesundheitszustand auf jeden Fall einen neuen Elektrorollstuhl brauche. Die Krankenkasse hat dann nochmals nachgefragt, warum ich denn jetzt den neuen Rollstuhl brauche, denn dieser hätte nicht nur eine Sitzhöhenverstellung, sondern eine komplette Stehfunktion. Dies wurde umfangreich begründet. Mein Hausarzt hat der Krankenkasse die Begründung geliefert, ebenso das Sanitätshaus, und ich natürlich auch. Man lehnte dann den verordneten Rollstuhl ab, obwohl bekannt war, dass der vorhandene Elektrorollstuhl nicht mehr der zweckmäßige Rollstuhl ist, weil durch den Austausch des Sitzes die negative Sitzkantelung nicht mehr vorhanden war.

Gegen die Entscheidung der Krankenkasse wurde natürlich Widerspruch eingelegt. Zusätzlich wurde der vorhandene Elektrorollstuhl unreparabel, weil das rechte Vorderrad einfach abgebrochen ist. Der Rollstuhl wurde dann wieder vom Sanitätshaus abgeholt, und wieder nach Duderstadt zum Hersteller transportiert. Dieser hätte zwar für über 13.000 € den Rollstuhl nochmals reparieren können, aber dann wäre es noch immer nicht mehr der zweckmäßige Rollstuhl gewesen, weil ja schon seit einem Jahr die negative Sitzkantelung fehlte. Daraufhin schrieb mir die Krankenkasse, dass man sich intensiv mit meinem Widerspruch auseinandergesetzt hätte, und man sei nicht bereit, den vorhandenen Rollstuhl für über 13.000 € reparieren zu lassen. Stattdessen sei man bereit mir den vorhandenen Elektrorollstuhl erneut als Neugerät für ca. 21.000 € zu liefern.

Ich frage mich, was die Krankenkasse unter „intensiv mit meinem Widerspruch auseinandergesetzt“ versteht. Ich teile den mit, dass der Rollstuhl seit Sommer 2020 nicht mehr der zweckmäßige Elektrorollstuhl ist, und die IKK teilt mir mit, dass sie mir diesen Elektrorollstuhl erneut liefern wollen. Leute, geht es noch? Die dürfen mir diesen Elektrorollstuhl nicht mehr als Neugerät liefern, weil es sich bei diesem Gerät nicht mehr um ein zweckmäßiges Hilfsmittel handelt. Ein Elektrorollstuhl ohne negative Sitzkantelung ist auch nach dem alten Gutachten, selbst für meinen alten Gesundheitszustand, nicht mehr das geeignete zweckmäßige Hilfsmittel. Und diesen Fachbegriff „zweckmäßiges Hilfsmittel“, bzw. der Hinweis, dass der vorhandene Elektrorollstuhl nicht mehr das zweckmäßige Hilfsmittel ist, wurde der Krankenkasse mehrfach ausdrücklich mitgeteilt. Wie man dann auf die Idee kommen kann behaupten, man habe sich intensiv mit meinem Widerspruch beschäftigt, erschließt sich mir. Und wie man dann auf die Idee kommen kann mir wieder den Rollstuhl als Neugerät zu besorgen, der schon bei dem alten Gesundheitszustand nicht mehr das zweckmäßige Hilfsmittel sein kann, erschließt sich mir ebenfalls nicht.

Manche Sachen kann man besser in einem 5 Minuten Telefonat klären, als in seitenlanger Korrespondenz über Wochen oder Monate. Ich entschloss mich daher, die Fachabteilung der IKK anzurufen. Man muss wissen, dass die IKK für verschiedene Hilfsmittel natürlich auch verschiedene Fachabteilungen hat es würde nämlich wenig Sinn machen, wenn man eine Brille als Hilfsmittel braucht, dass dies von jemand bearbeitet wird, der nur Ahnung von zum Beispiel Prothesen hat.

Die Fachabteilung für Elektrorollstühle befindet sich in München, und genau dort habe ich dann angerufen. Wenn man schon eine Fachabteilung besitzt, dann wäre es natürlich ratsam, wenn dort Leute sitzen Gründen, die von dem Fach auch Ahnung haben. Ich habe aber Bedenken, dass meine Gesprächspartnerin von Elektrorollstuhl wirklich Ahnung hatte, denn sonst hätte man wahrscheinlich auch nicht behauptet, man habe sich intensiv mit meinem Widerspruch beschäftigt, und will mir dann einen nachweislich nicht zweckmäßigen Elektrorollstuhl als Hilfsmittel anbieten.

In dem Telefonat erwähnte ich also erneut, dass mein Elektrorollstuhl, selbst nach meinem alten Gesundheitszustand, nicht mehr das zweckmäßige Hilfsmittel sein kann, weil im Sommer 2020 der Sitz mit der negativen Sitzkantelung kaputt war, und durch einen gewöhnlichen Sitz ersetzt wurde, weil Otto Bock festgestellt hat, dass die negative Sitz Kantelung der Grund für den häufigen Defekt war. Teilte ihr also weiter mit, dass ich auf jeden Fall ein anderes Modell bräuchte, als das, was sich zur Zeit bei Otto Bock befindet, und nicht mehr repariert werden soll.

Ich finde es durchaus verständlich, dass mir die Mitarbeiterin mitgeteilt hat, dass sie sich den Fall zunächst noch einmal ansehen müsse, und sich dann wieder bei mir melden würde.

10 Minuten später klingelt das Telefon, und die Sachbearbeiterin meldet sich bei mir. Sie teilt mir mit, dass sie auf der Internetseite von Otto Bock war, und die meinen Elektrorollstuhl noch immer verkaufen würden. Hat die Frau mir eigentlich überhaupt nicht zugehört? Ich hatte doch niemals behauptet, dass Otto Bock den Rollstuhl nicht mehr herstellt, sondern ausdrücklich und mehrfach mitgeteilt, dass es diesen Rollstuhl nicht mehr mit der negativen Sitzkantelung gibt, weil die negative Sitz Kantelung der Grund dafür gewesen sein soll, dass öfters der Sitz erneuert oder repariert werden musste. Und ich hatte ihr ausdrücklich mitgeteilt, dass der Elektrorollstuhl ohne diese negative Sitzkantelung für mich deswegen nicht mehr der zweckmäßige Elektrorollstuhl ist. Ich hatte aber niemals behauptet, dass Otto Bock das Modell nicht mehr verkaufen würde. Ohne die negative Sitz Kantelung wird das Teil tatsächlich weiterverkauft. Das musste ich aber schon vorher. Die Aussage der Sachbearbeiterin zeigt mir jedoch, dass sie mir entweder nicht zugehört hat, oder nicht begriffen hatte, was ich hier gesagt hatte. Oder wollte sie einfach nicht begreifen, dass dieser Elektrorollstuhl nicht mehr das zweckmäßige Hilfsmittel sein kann?

Als ich ihr erklärte, dass es den Elektrorollstuhl natürlich noch gibt, aber eben nur ohne die negative Sitzkantelung, und dass deshalb dieser Elektrorollstuhl nicht mehr der zweckmäßige Rollstuhl ist, meinte sie dann, dass nun raus wäre, und mich der Techniker der IKK anrufen würde. O. k., jetzt wird es ja wohl klappen. Ich habe also nochmals auf die notwendige negative Sitzkantelung hingewiesen, und werde gleich mit einem echten Fachmann sprechen. Das kann ja nur noch besser werden.

Es verging also erneut 10 Minuten, und dann gab es wieder einen Anruf aus München. Am Telefon war aber nicht der versprochene Techniker, sondern wieder diese Person, ihr Technikverständnis ist zwischenzeitlich natürlich nicht gewachsen. Warum ruft mich denn wieder diese Frau ein, obwohl sie bisher anscheinend überhaupt nicht begriffen hat, was der Unterschied ist, zwischen einem zweckmäßigen Hilfsmittel, und einem nicht zweckmäßigen? Warum, ruft mich diese Frau an, obwohl sie mich doch versprochen hatte, dass ich einen Anruf von einem Techniker bekommen würde?

Und diese „technikbegeisterte Fachkraft“ teilte mir doch tatsächlich mit, dass ihr der Techniker erklärt hat, dass der Elektrorollstuhl auf der Internetseite von Otto Bock genau der Elektrorollstuhl wäre, den ich besitze, bzw. besessen habe, bevor der zur Reparatur nach Duderstadt geschickt wurde.

Jetzt langsam ging mir aber Hutschnur hoch. Wollen die mich eigentlich verarschen? Natürlich ist der Rollstuhl auf der Internetseite von Otto Bock genau der Rollstuhl den ich gefahren habe, bevor das rechte Vorderrad gebrochen ist. Das habe ich doch auch niemals bestritten.

Der Elektrorollstuhl auf der Internetseite von Otto Bock ist der Elektrorollstuhl mit Standardsitz, also ohne negative Sitz Kantelung. Und seit dem Sommer 2020 fahre ich auch diesen Elektrorollstuhl ohne negative Sitzkantelung, weil bei der damaligen Reparatur der für mich zweckmäßigen Sieg ausgebaut wurde, und durch einen Standardsitz ersetzt wurde. Durch den Austausch des Sitzes wurde aber aus den zweckmäßigen Elektrorollstuhl ein Hilfsmittel, welches nicht das zweckmäßige Hilfsmittel für mich ist. Wie oft habe ich also bisher wohl versucht dies der IKK, bzw. sogar deren Fachabteilung dies klarzumachen? Und wieso will mir die IKRK den nicht mehr zweckmäßigen Elektrorollstuhl durch genau dasselbe Modell ersetzen, was ja dann logischerweise wieder nicht das zweckmäßige Hilfsmittel ist?

Mein Versuch etwas einfaches mit der IKK telefonisch zu klären, um komplizierte Schreiben zu verhindern, ist doch wohl deutlich daneben gegangen. Inzwischen sind einige Wochen vergangen, ohne dass die IKRK irgendetwas unternommen hätte, um mir meine zweckmäßigen Elektrorollstuhl endlich zu liefern. Ich werde also wohl gezwungen werden die Sache mal wieder gerichtlich klären zu lassen.

 

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